Dienstag, 19. Januar, 14:33 Uhr

Integration unterwegs

Kategorie: Grunow Praxis News
Meine ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen

Dass auch „Henger dem Bredderzung“ syrische Flüchtlinge heimisch geworden sind, bewies die Gruppe um Hubert Grunow. Der Rosseler hatte kurzerhand einen der neuen Nachbarn untergehakt.

Termine: Alle Karnevalszüge in Eitorf und Windeck 2016 | Karneval in Rhein-Sieg - Kölner Stadt-Anzeiger - Lesen Sie mehr auf:
www.ksta.de/karneval-in-rhein-sieg/-karnevalszuege-in-eitorf-und-windeck-2016-sote,20824852,33616552.html

Dass auch „Henger dem Bredderzung“ syrische Flüchtlinge heimisch geworden sind, bewies die Gruppe um Hubert Grunow. Der Rosseler hatte kurzerhand einen der neuen Nachbarn untergehakt.

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Dass auch „Henger dem Bredderzung“ syrische Flüchtlinge heimisch geworden sind, bewies die Gruppe um Hubert Grunow. Der Rosseler hatte kurzerhand einen der neuen Nachbarn untergehakt.

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Liebe Leserin und lieber Leser,

da Viele sehr interessiert sind an dem, was ich derzeit als Helfer mit den Flüchtlingen erlebe, mit diesen freundlichen jungen Männern, mit Frauen und Kindern; da einige von Ihnen meine Arbeit in mancherlei Hinsicht unterstützen, möchte ich für Sie gerne diese Seite anlegen, die vielleicht einen kleinen Einblick geben kann.

Dabei möchte ich die Identität von Flüchtlingen und Helfern schützen und lediglich ihre Vornamen verwenden.

"Tue Gutes und rede darüber!" - Nur so kann es gehen. Integration ist eine Leistung Vieler. Jeder ist in der Lage, seinen Beitrag zu leisten. Jede kann ihr Herz öffnen angesichts der Not dieser Menschen. Doch es braucht Gesichter. Gesichter, in die ich schaue. Die zu mir sprechen. Es braucht Dialoge, Zwiegespräche. Dabei kommt mir die Not ganz nahe, der Krieg, die Flucht, die Hilflosigkeit, die Rechtlosigkeit, die Wertlosigkeit von Menschenleben. Es begegnen mir die Fratzen von Hass und grenzenloser Brutalität. Das TV bietet da noch einen gewissen Schutz, es verfremdet. Und solange ich keinen Ausländer in meinem Ort sehe, braucht mich das vielleicht gar nicht anzugehen. Wer weiß?

Ich persönlich erlebe diese wunderbaren Menschen gerade als einen unglaublichen Reichtum. Es sind Menschen, die mich schützen vor der Sorge, vor dem Mitleiden, das sie auf meinem Gesicht ablesen, wenn sie über ihre Situation erzählen. Khaled: "Alles ist gut, Mr. Hubert, alles ist gut! You need not worry!" Dann lacht er, aber sein Knie wippt permanent auf und ab, und ich weiß, dass er es seit Tagen im Magen hat. Seine Familie, Frau und vier Kinder, leben im Kriegsgebiet. Umgeben von Assads Schergen. Das sagt alles. Er will mir diese Last nicht aufbürden. Er muss sie selbst tragen. Das ist seine feste Überzeugung.

"Wir können nicht die ganze Welt retten!", hört man sagen. Wie aber wäre es, bei einem anzufangen? Das wäre ggf. eine 100%-ige Steigerung. Die sich lohnt.

Ich erzählte von Rücksicht. Über 40 Menschen haben meine Telefonnummer. Mir wurde vorher gesagt, ich solle das unterlassen, wolle ich nicht Gefahr laufen, Tag und Nacht gestört zu werden. - Tatsächlich gab es in drei Monaten lediglich vier Anrufe. Drei davon waren Rückrufe. Ein einziger war von Khaled, der mich seit einer Woche nicht gesehen hatte und hören wollte, wie es mir ging. Dabei vergaß er fast sein gutes Englisch, als er auf meinen AB sprach. Was übrig blieb, war: "Mr. Hubert, I miss you!"

Auch Ibrahim bat mich für alle:"Be close!"

Ich verspreche, mein Bestes zu geben! Gleichzeitig lade ich jeden Leser, jede Leserin herzlich ein, das Ihre zu tun. - Es geht! -

 2017. Es ist nicht mehr so viel zu tun wie noch ein Jahr zuvor. Lag mein Arbeitsaufwand bei 30 Wochenstunden, so ist das Zeitkontingent doch deutlich geschrumpft. Betreuten wir 25 geflüchtete junge Männer und mehr, sind heute schon einige weitergezogen in andere Städte, zum Studium, zu ihren Verwandten. Alle anderen besuchen Integrationskurse und sind von morgens bis zum späten Nachmittag unterwegs. Oft sind es Anrufe, hier und da mal ein kleines Treffen, so jetzt im Februar in Köln, wohin sie aus allen Himmelsrichtungen anreisen. Für viele von ihnen sind wir in dieser schlimmen Zeit Freund, Bruder und Vater gewesen, sagen sie. Und die Verbindung steht. Das Gespräch in deutscher Sprache wird immer selbstverständlicher, die Flucht ins internationale Englisch wird seltener. Es scheint sich alles zu normalisieren. Es geht uns wie bei unseren erwachsenen Kindern: Wir müssen sie ziehen lassen. Und das ist gut so. Es ist und war eine Wegbegleitung.

2016. Karnevalszug in Windeck-Dattenfeld

Integration in unser Brauchtum

Von Stephan Propach: "Dass auch "Henger d'm Bredderzung" syrische Flüchtlinge heimisch geworden sind, bewies die Gruppe um Hubert Grunow. Der Rosseler hatte kurzerhand einen der neuen Nachbarn untergehakt...."http://www.ksta.de/karneval-in-rhein-sieg/-karnevalszuege-in-eitorf-und-windeck-2016-sote

Dass auch „Henger dem Bredderzung“ syrische Flüchtlinge heimisch geworden sind, bewies die Gruppe um Hubert Grunow. Der Rosseler hatte kurzerhand einen der neuen Nachbarn untergehakt.

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Mir war es wichtig, die drei Flüchtlinge, die in unserer Gruppe mitgingen, Muhamad, Hadi und Ibrahim, mit Blumen auszustatten. Ich denke, es kam ihnen sehr gelegen, wollen sie doch den Menschen hier gerne zurückgeben, was ihnen gegeben wurde: den Dank für eine sichere Bleibe (auf Zeit oder auf Dauer, das ist derzeit noch ungewiss und differiert von einem zum anderen). So kamen sie mit bunten Rosen und Tulpen daher und erfreuten die Zuggäste.

Hadi, 19, als Schotte mit Kilt verkleidet, fragte mich auf der Höhe der evangelischen Kirche: "Mr. Hubert, please look at the house over there. There is an old woman, she looks out of the window. Can you see her? Should I bring her a flower? What do you think?" - Also stiefelte er mit seinem Strauß über die Wiese in das ca. 30 m zurückliegende Haus, und ich sah, wie er der alten Dame eine lila Tulpe überreichte. "She had tears in her eyes", sagte er leise, als er zurück kam.

Beim Übersetzen der Karnevalslieder ins Englische fiel mir auf, über welchen Tiefgang viele von ihnen verfügen. Zur Karnevalsparty konnte ich den Jungs die headlines der Titel nur ins Ohr brüllen, doch ich las auf ihren Gesichtern: Sie verstanden. Und sie gingen mit. Sie tanzten, hüpften, schunkelten und reihten sich nahtlos bei der Polonaise ein.

Zuvor hatten sich die Drei rührend, eine Viertelstunde lang, um unsere demente Freundin gekümmert, während meine Frau das Auto holte.

Ich sage das alles, weil es sich um Menschen handelt. Um rücksichtsvolle Menschen!

 

SV-Aktionstage gegen Fremdenfeindlichkeit

Zu Gast bei drei Podiumsveranstaltungen für die Schüler des Bodelschwingh-Gymnasiums mit Flüchtlingen, Helfern und Mitarbeitern der Ausländerbehörde

Textauszug aus dem Homepagebericht zum 1. Aktionstag:

Der zweite Teil des Vormittages wurde schließlich von unseren Gästen, wahren "Experten" des Gebietes, begleitet: Pfarrer Hans-Wilhelm Neuhaus und Ehrenbürgermeister Ludwig Neuber aus Ruppichteroth, die sich beide intensiv und bereits seit vielen Jahren in der Flüchtlingsarbeit engagieren, die Mitarbeiterin der Ausländerbehörde Stefanie Bader, die viele Fragen zur rechtlichen und überregionalen Organisation beantworten konnte, sowie Dr. Hubert Grunow, der ganz lokal für den Sprachunterricht und vielseitige Unterstützung der Flüchtlinge in Herchen und Werfen verantwortlich ist. In besonderem Maße konnten die beiden Flüchtlinge Raid (Irak) und Wassim (Syrien) den Schülerinnen und Schülern durch ihre ganz persönlichen Erfahrungen einen authentischen Einblick in die Details ihrer Flucht und ihres Lebens als Flüchtling in Deutschland geben. Eindrucksvoll waren die Worte von Wassim, als er zu den Neujahrsvorfällen in Köln erklärte: "Ihr habt Angst vor uns. Wir haben Angst vor euch. Wir müssen einander kennenlernen. Nur so können wir gemeinsam ohne Angst leben." Die Plenumsdiskussion wurde vom Schülersprecher Jonas Schumann (11) moderiert. Die Schülersprecherin Felicitas Mayer (11) übersetzte Fragen und Beiträge für die englischsprachigen Gäste.

In einer großen Plenumsrunde hatten alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, direkt Fragen
an Personen zu stellen, die größtenteils jahrelang beruflich und persönlich Erfahrung gesammelt haben. Schnell entstand bei einzelnen im Publikum das Bedürfnis, selbst aktiv zu werden und die eigene Mithilfe anzubieten. Hier konnten viele Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sich jeder einzelne an der Integration der Flüchtlinge und damit der so wichtigen Gestaltung unserer Gesellschaft beteiligen kann. Ansprechpartner finden sich in jedem Gemeindebüro: "Einfach nachhören und seine Hilfe anbieten!" lautete der motivierende Appell von Herrn Neuhaus. Denn der gesamte Tag zeigte, dass die Offenheit und Bereitschaft, aktiv bei der Integration der neuen Nachbarn - und vielleicht bald Freunden - mitzuwirken, bereits vorhanden ist oder spätestens jetzt geweckt werden konnte!

Das Team der Organisatoren und Moderatoren bedankt sich bei allen, die zum Gelingen der Aktion
beigetragen haben, insbesondere bei den Gästen, die ihre Zeit zur Verfügung gestellt und durch ihre Beiträge den Tag bereichert haben.

Hier der ganze Artikel:

http://www.bgh-windeck.de/index.php/schulleben/694-sv-aktionstage-gegen-fremdenfeindlichkeit

Was ich feststellte: In der ersten Reihe saß ein kleiner Junge, vermutlich 5. Klasse. In der Pause ging ich auf ihn zu und fragte ihn, was er denn so von der ganzen Diskussion verstanden hätte. Daraufhin stand er auf, ließ die Arme hängen, schaute mit großen fragenden Augen mich an und sagte: "Davon hab ich ja gar nichts gewusst! Davon hab ich nichts gewusst. Das verstehe ich jetzt erst richtig!"

Dieser Junge hat den Sinn unmittelbar verstanden. Ihm wurden Gesichter gezeigt, Menschen aus fremden Ländern begegneten ihm. Sie saßen ihm unmittelbar gegenüber. Er hörte ihnen zu. Er sah sie. Da war plötzlich Begegnung.

Andere Kinder hatten eher Bock auf ein Spielchen. Da ein Mädel nicht wusste, wie sie so einen fremden Menschen ansprechen sollte, es aber unbedingt wollte, sagte ich zu ihr: "Sag zu ihm mal 'Keifè halùka'".- "Was soll ich ihm sagen?" - "Keife haluka". - Sie tat es, und der junge Mann aus Syrien antwortete freundlich:"Dscheijed"! - "Was hat er gesagt?", wollte sie wissen. Ich sagte ihr, es gehe ihm recht gut. "Und was habe ich gefragt?"- "Wie geht es dir?" - "Ach soooo!"

Andere Jugendliche fragten Wassim, einen jungen Syrer, wie er als Christ denn Weihnachten verbracht habe? Er gab ihnen zu verstehen, dass es alles andere als leicht sei, das erstmalig ohne seine Familie zu tun. Man komme sich schon sehr allein vor, wenn es da nicht Menschen gäbe, die ihm und anderen Geflüchteten eine Freude bereitet hätten. Da ich wohl der einzige von diesen Menschen im Raum war, sagte er: "Mr. Hubert was my Xmas." Sie können sich denken, dass das auch für mich ein sehr großes, nachträgliches und bewegendes Weihnachtsgeschenk war.

 

2015. Weihnachten

Zwei Tage vor Heiligabend sind Manfred, Maria, Paul und ich - alle mit roten Zipfelmützen bekleidet, ich als Nikolaus mit Mantel, Stab, Mitra und Glöckchen -, zu diesen Menschen in ihre Unterkunft gefahren. Als Geschenke hatten wir zwei große Kisten köstliches Gebäck für alle dabei. Wir haben gesungen in vielen Sprachen und auch das deutsche Weihnachtslied "Kling Glöckchen klingelingeling" kam mir in den Sinn. Da ich ihr "teacher" war, wusste ich, dass sie das Wort "Glöckchen" aussprechen konnten. Manfred, der erstmalig dabei war, protestierte heftig und sang das Lied mit dem leichteren Wort "Glocke". Hörte sich echt komisch an. Paul malte bei unserer integrierten weihnachtlichen Deutschstunde die Glocke und auch das Glöckchen auf den Flipchart auf. Jeder hatte etwas zu tun und brachte sich ein. Zum Schluss sangen wir alle das Lied mit dem Text von Martin Luther King:There is no way to peace, peace is the way! Dazwischen wurde viel gelacht, als die heiligen Klamotten von Mann zu Mann gingen. Ohne Ende wurden Selfies geschossen und gleich in die Heimat gesendet.

Am Weihnachtssonntag, 3. Weihnachtstag, lud ich acht Männer zu uns nach Hause zum Essen ein. Sie kamen alle geschniegelt und gestriegelt. "Das ist was Besonderes", habe Ibrahim zu ihnen gesagt. - Es war etwas Besonderes! Es war ein ganz besonderer Weihnachtstag mit neuen Freunden. Für Manfred, Maria und mich. Jeder knipste jeden vor dem großen Weihnachtsbaum und der Krippe und schickte die Bilder gleich ab nach Syrien, Irak und Ghana. Natürlich habe ich versucht, "halal" zu kochen - without pig! - mit duftendem Reis, Putencurry und frischem Salat. Für uns alle war es ein Festtag!

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Nach vieler, unermüdlicher Arbeit zur Integration der jungen Männer: Behördengänge, aufwendiges Beschaffen von Praktika, Ausfüllen von seitenlangen Formularen, Herbeischaffen von Möbeln, Kleidung, Arbeitsstellen, nach einigen Geburtstagsfeiern und vielen "Stammtischen", in denen reihum bei uns Helfern zu Hause, im Frühling/Sommer draußen auf freien Plätzen oder auch in den Einrichtungen selber die alltäglichen Dinge und auch die Befindlichkeiten angesprochen wurden..., sind wir mittlerweile ein Jahr weiter, in 2016 angekommen.

Vieles ist irgendwie "normal" geworden. Die Kontakte funktionieren. Fremdheit ist großenteils überwunden. Die  ca. 25 jungen Männer gehören zu uns. Nicht alles läuft so, wie wir uns das gerne vorstellen möchten - und das an allen Ecken: die Erfassung der Behörden zieht und zieht sich, einige verfügen seit Februar/März über ihre 3-jährige Aufenthaltserlaubnis, andere, die genau so lange oder sogar länger in Deutschland sind, noch nicht. Warum, weiß niemand von ihnen - wir auch nicht! Wenn die Behördengänge, die wir mit den jungen Männern unternehmen, von allseitigem Verständnis und von Freundlichkeit geprägt sind, gibt es auch pampige Zurückweisungen öffentlicher Stellen: "Die Bundesbehörde hat das so entscheiden - Basta!" Anlass war lediglich eine Nachfrage bei der Ausländerbehörde, warum die Zeit für den Beginn eines lange ausgemachten Praktikums sich über fünf Wochen ausdehne und dann der Bescheid negativ ausfalle "...weil da kein Mindestlohn gezahlt wird." ...der aber bislang nirgendwo gezahlt wurde. Meine Nachfrage ging freundlich dahin, ob man sich vorstellen könne, dass ehrenamtliches Engagement da nicht auch erlahmen könne. Mit zahlreichen Telefonaten mit allen Beteiligten, Besprechungen mit den jungen Männern, Erklärungen des Arbeitsfelds, Fahrten zu den neuen Arbeitgebern, Atmosphäre schaffen, Zusagen einholen, Vertrauen festigen, nach passender Arbeitskleidung suchen, sofern sie nicht vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt wird, mit einer Tasse Kaffee und zwei Bällchen Eis im Café die neue Chance feiern, unterstützen, beruhigen, ausgleichen, anspornen, jetzt noch mehr Deutsch zu lernen usw. ...ist sowas ein regelrechtes Projekt - neben vielen anderen.

Manche jungen Männer werden depressiv. "Immer sitzen, liegen, sitzen, liegen...Mr. Hubert!" Einige wollen lieber wieder nach Hause, ins Kriegsgebiet, als hier untätig rumzusitzen. Die halten die Langeweile kaum aus. Eine Rückkehr würde allerdings ihren raschen Tod bedeuten. Das zieht intensive Gespräche nach sich. - Einige sind zurückgefahren.

Wir Freunde haben uns entschieden, sie nicht mehr nur zu "bespaßen", d.h. immer nur etwas für sie zu tun, nein, sondern sie öffentlich und privat einzubinden. Sie wollen helfen, wollen zeigen, dass sie uns Deutschen zu Dank verpflichtet sind. Sie wollen nichts dafür haben, nur endlich etwas tun. So ist Khaled, nach seinen umfangreichen Arbeiten am Bouleplatz, vom Vereinsvorsitzenden zum offiziellen Platzwart erklärt worden. Für die katholische Kirche hat er als Maler die über dem Pfarrbüro liegende Wohnung vorbereitet für die Aufnahme einer festen Ausstellung für den zur NS-Zeit hier lebenden und sich engagierenden Vikar Roth. Für V. Roth wurde ein Stolperstein vor der Kirchtreppe des Siegtaldoms gelegt.

Andere wurden schnell integriert bei Reinigungsarbeiten in Windecker Bachtälern durch den NaBu. Einige starke Jungs: Mah'moun, Ibrahim, Al Yonas helfen mir beim Bühnenaufbau für die Windecker Sommerabendkonzerte. Mohammed, Omar, Hadi bewirten, räumen ab... Wieder andere hatten mir angeboten, gerne auch bei Diensten der Kirche behilflich zu sein, den großen Kirchplatz zu kehren... Ich hab das gerne an den Küster weitergegeben.

Und noch mehr Erfreuliches gibt es. Bei unserer Fronleichnamsprozession sind einige Flüchtlinge mitgegangen, nicht nur Christen, sondern auch Muslime. Ganz andächtig waren sie dabei. Männer aus den unterschiedlichen Ortschaften tragen den Baldachin nach einem althergebrachten System. Ich sah schon, dass aus meinem Ort nicht viele Männer zugegen waren, die mit mir tragen würden. Männer, die das "immer" gemacht hatten, sind zu alt dafür oder gerade auch im vergangenen Jahr verstorben.

Schocki, ein großer Fußballer vor dem Herrn, hatte die Situation bereits übersehen, sah wohl meinen suchenden Blick und rief mir von hinten zu: "Nämm dir dir Drei, un dann draacht ihr zesammen bis noh Kiieche!"

Leider verpasste der anwohnende Lokalreporter die wunderbare Szene. Seine Frau rief noch: "Harald, komm schnell runter. Der Hubert un die Flüchtlinge tragen den Baldachin. Dat musst du sehen!" Doch da war die Prozession schon 50  Meter weiter gezogen, bis er seine Kamera betätigen konnte. So ist leider kein Bild entstanden, außer dem, das die mitgehenden Christen noch sehr lebendig vor Augen haben. "Dat war dat schönste Bild von der ganzen Prozession!", rief mir Mia nachher freudestrahlend zu. Drei wackere Muslime, die mit mir gemeinsam den Baldachin trugen.

Artikel aus dem Stadtmagazin, Eitorf vom August 2016